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Gefahr des weißen Goldes

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Der nordtiroler Skitouren-Experte Lukas Ruetz hat sich in den letzten Jahren zu dem Botschafter der Skitourenszene entwickelt und gibt in seinem eigenen Tourenblog sein Wissen zu Schnee, Lawinen und Skitouren weiter. Seit 2 Jahren statten wir ihn mit ESKA Handschuhen aus und passend zur Jahreswende haben wir Lukas befragt, wie gefährlich der heiß geliebte Neuschnee im Gelände wirklich ist. Viel Spaß beim Durchlesen!

In der Sonne glitzender Pulverschnee, wolkenloser Himmel – ein Bluebird Tag wie aus dem Bilderbuch und dann noch fast allein unterwegs. Wir alle lieben diese Tage! Wäre da nicht immer das lästige Hintergrundrauschen der Lawinengefahr.

Kaum eine andere Gefahr des Hochgebirges ist derart präsent wie der weiße Tod. Die Lawine ist sozusagen der Star unter den alpinen Gefahren. Die Lawine ist schwer einschätzbar und doch sehr, sehr selten. Fast wie die Sichtung eines Steinbocks: Kaum jemand hat ihn in seiner natürlichen Umgebung ungestört beobachtet. Alle wissen von ihm und haben schon unzählige Fotos gesehen und Berichte über sein Verhalten gelesen. Aber fast niemand hat persönliche Erfahrungen mit ihm. Und wenn es doch zu der seltenen Begegnung kommt, hält man es selbst kaum für wahr.

Nach einem Lawinenabgang kommt dazu aber eine Frage die sich praktisch jeder von uns stellt: „Wie konnte das passieren?“

Um die Wahrscheinlichkeit markant zu verringern, sich diese Frage in seinem Schneesportleben nicht stellen zu müssen, sollte man ein paar kleine Regeln beachten:

Es gibt fünf Lawinengefahrenstufen in Europa, von Gering 1 bis Sehr groß 5.

Goldene Regel #1:

Bei Gefahrenstufe Groß 4 und Sehr groß 5 bleibt man im gesicherten Gelände. Das heißt, man verlässt die präparierte Piste nicht. Stufe 4 & 5 herrscht nur selten und nur für einige wenige Tage je Saison. Wer hier Geduld aufweist, reduziert sein Lawinen-Risiko bereits ganz gewaltig. Bei Stufe Mäßig 2 und Erheblich 3 kann man im Gelände unterwegs sein. Man muss aber sehr, sehr genau wissen wohin man gehen kann und was man tut. Am besten hält man sich dort auf wo der Lawinenwarndienst die Verhältnisse als vergleichsweise günstig einstuft. Das Gelände wird immer nach Höhenlage, Exposition (Hangausrichtung) und Geländeform in eher günstige und eher ungünstige Bereiche im Lawinenreport unterteilt. Bei Lawinenstufe Gering 1 braucht man sich fast gar nicht mehr den Kopf über Lawinen zerbrechen – meist muss man am harten Schnee aufpassen, dass man nicht abstürzt. Das heißt nicht dass es bei Stufe 1 nicht zu Lawinen kommen kann, die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber gering.

Ein heißer Tipp zum Schluss: Immer den gesamten Lawinenreport lesen und sich mit den Zusatzinfos genau beschäftigen. Wer sich mit den fünf Lawinenproblemen und den zehn Gefahrenmustern auskennt, kann sein persönliches Risiko noch weiter reduzieren und weiß ganz nebenbei immer wo man den sichersten und besten Schnee findet. Dazu muss man sich genau die Höhenstufen und die Expositionsrosette im Lawinenlagebericht anschauen und die dort als gefährlich markierten Bereiche möglichst meiden.

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